Die Wunschkastanie ist während des Schreibens immer mehr zu einem Herzensprojekt geworden. Nun, das könnte ich über jeden Roman sagen, aber hier ist es noch einmal anders.
- Die Protagonistin Maja hat sehr viel mehr von meinen Eigenschaften und Erfahrungen abbekommen, als ich geplant hatte.
- Maja ist wie ich Autistin, auf den ersten Blick unauffällig, zu unauffällig um wohl für die meisten Menschen als Autistin gesehen zu werden (Stichwort Stereotype) und zu autistisch, um nicht ständig anzuecken, zurechtgewiesen und kritisiert zu werden.
- Maja hat einen großen Verlust erlitten. Die Parallelen sind erschreckend. Als ich das Buch beendet hatte, wussten wir noch nicht, dass mein langjähriger Partner schwer krank war. Im Roman hat Maja, die als Autistin mit Veränderungen nicht gut zurechtkommt, sehr große Schwierigkeiten mit der Krankheit ihrer Mutter umzugehen. Es gibt eine Szene in der Küche mit ihrer Oma, in der ich den Leser*innen näherbringen wollte, wie angstbesetzt sich Veränderungen für Autisten anfühlen können. Selbst kleine oder wenn eine tägliche Routine auf einmal wegfällt. Ich ahnte nicht, dass ich Monate später vor den gleichen Herausforderungen stehen würde.
- Die Idee zum Roman ist sehr alt. Als ich sie damals meinem Partner erzählte, schlug er den Titel „Die Wunschkastanie“ vor, den ich sofort schön und passend fand. Er glaubte immer an das Buch. Und eigentlich wäre es auch in einem Verlag rausgekommen. Wenn nicht … Corona, die Parisreise, die auf einmal störte, Corona und das Kürzen der Verlagsprogramme und Schließen der Buchhandlung, die Krankheit, der Tod … Dieses Genre eignet sich nicht gut fürs Self-Publishing, das weiß ich. Ich finde es bloß zu schade, es auf der Festplatte verstauben zu lassen, wo dieser Roman doch so viel zu erzählen hat und die Figuren solche Hürden auf sich nehmen, um an ihr Ziel zu kommen. Und vielleicht gibt es da draußen ja auch jemand wie Maja, die zu autistisch ist, um „normal“ zu sein, aber zu „normal“, um autistisch sein können und stattdessen als unfreundlich, egoistisch, einfach nur schüchtern und unbeholfen und sich mit Absicht blöd anstellend bezeichnet wird. Oder jemand wie Pip, der seinen Traum aufgeben musste, an den Anforderungen der anderen scheiterte und immer noch an seinem Traum festhält, auch wenn die Angst ihn lähmt. Oder Gerda, die ihre große Liebe gehen ließ und fünfzig Jahre später schließlich den Mut findet, ihn zu suchen. Oder Betty, die Angst hat die letzten Worte ihrer besten Freundin zu lesen. Sie alle haben zu viel zu sagen, um nicht eine Bühne zu bekommen.

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